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Wintersegeln in der Karibik

von Jürgen Könemann

Bereits während der letztjährigen Segelsaison reifte in uns die Idee, das bis dato etablierte Wintersegeln mit Roland Harkens „Flextime“, einer sportlichen X-79, nach seinem beruflichen Weggang nach Ägypten kurzerhand in die Karibik zu verlegen. Die Aussicht auf Sonne, warmes Wasser und schönen Wind ließen uns die Urlaubsplanung perfekt machen, und so wurde ganz schnell gebucht. Die Wahl fiel auf einen Hamburger Veranstalter von Mitsegeltörns, mit dem wir schon Erfahrungen in unterschiedlichen Revieren gesammelt hatten.

Und so starteten wir am Heiligabend, nachdem wir die Advents- und Vorweihnachtszeit angemessen gefeiert hatten, für knapp 3 Wochen in das tropische Revier nach Martinique. Dabei war in der ersten Woche Hotelurlaub geplant. Martinque gehört zu Frankreich und damit natürlich auch zur EU, was einige Vorteile mit sich bringt, wie z.B. die französische Sprache, europäische Standards, den Euro als Währung und keine Roaming Gebühren.

Ein paar Ideen für die erste Woche hatten wir neben der Erkundung der Insel natürlich mitgebracht. Fast sämtliche Yachtaktivitäten auf Martinique finden auf der geschützten Leeseite statt. Mein Surffreund Maico berichtete mir bereits im Vorfeld von guten Surfspots im Osten und Nordosten, der Luvseite der Insel: Logisch, denn hier treffen Wind und Welle schräg auflandig auf malerische Buchten. Und so begaben wir uns gleich an einem der ersten Tage auf eine schöne Surfsafari. Fündig wurden wir auf der Halbinsel La Caravelle bei Trinité. Hier änderte sich auch der Charakter der Insel: Die Küste ist hier wesentlich rauer. Aufgrund des stärkeren Windes ist es kühler, und wir hatten auch den Eindruck, dass hier weniger Tourismus herrscht. In einer Surfschule konnte ich mir ein passendes Longboard ausleihen und stürzte mich in die Wellen - natürlich ohne Neoprenanzug, dafür mit einem Lycrashirt als Sonnenschutz. Am Ende der Surfsession konnte ich einen schönen Wellenritt verbuchen und war happy. An den anderen Tagen fokussierten wir uns vor allem auf Schnorchelausflüge mit unserer mitgebrachten ABC-Ausrüstung. Besonders angetan hatte es uns die Bucht von Les Anses-d’Arlet, denn hier war gleich in Ufernähe ein Riff, an dem sich diverse bunte Fische tummelten und so für ein tolles Erlebnis sorgten. Klar, dass am Strand eine Bar war, wo wir dann im Anschluss einen karibischen Sundowner genießen konnten.

Am 30. Dezember war es dann soweit. Unsere Segelyacht „Sunrise“, eine First 47.7 von Beneteau, war mittlerweile samt Skipper Dirk in der Marina Le Marin angekommen, und es ging vom Hotel aufs Boot. Die Crew hatten wir teilweise schon am Vorabend bei einem gemeinsamen Abendessen kennengelernt. Wir waren mit 8 Personen an Bord gut besetzt, und wir stellten uns schon die Frage, wie dann in den nächsten zwei Wochen die Backschaft laufen sollte. Nach einem üppigen Einkauf bei Carrefour schien die Versorgung für die ersten Tage soweit in trockenen Tüchern. Es stellte sich alsbald heraus, dass die kulinarischen Genüsse eine wesentliche Rolle bei unseren Mitseglern spielen sollten. Und so wurde kräftig gekocht, und fast immer gab es einen leckeren karibischen Obstsalat zum Frühstück. Dabei ging die Backschaft reihum, und es mangelte wirklich nie an freiwilligen Helfern.

Nach der obligatorischen Einweisung segelten wir dann bei Regen (!) und anfänglicher Flaute an Silvester endlich los Richtung St. Lucia. Der Wind nahm bald kräftig zu, und wir segelten mit letztem Licht in die Rodney Bay, wo der Anker fiel und wir bei guter Stimmung und Feuerwerk um uns herum ins neue Jahr reinfeierten.

Die nächsten Tage ging es weiter auf der klassischen Südroute vorbei an Saint Vincent, nach Bequia und Mustique. Mustique ist eine kleine Privatinsel mit einer Ankerbucht und einigen Mooringbojen. Hier lagen wirklich beeindruckende Boote vor Anker inkl. einer Yacht mit Mitgliedern des britischen Königshauses an Bord, die wir jedoch nur aus der Ferne zu Gesicht bekamen. Tolles Schnorcheln mit Meeresschildkröten und die beste Reggae Band des Urlaubs am Abend in der legendären Basil’s Bar machten diesen Stopp zu einem der Highlights des Törns.

Wir waren hier schon mitten in den Grenadinen. Wir besuchten Petit Saint Vincent, Clifton auf Union Island und ankerten in einer traumhaften Umgebung am Hufeisenriff. Das Licht und die Farben des Meeres und der Vegetation waren hier besonders intensiv. Die Navigation und auch das Ankern bzw. das Festmachen an den meist vorhandenen Bojen ist recht easy, zumal die Einheimischen mit ihren kleinen Booten mit Außenbordern Unterstützung für alle Lebenslagen anbieten. Unter anderem werden frisch gefangener Fisch, Brötchen für den nächsten Morgen, Eis oder auch T-Shirts mit typisch karibischen Sprüchen angeboten, z.B. auf der Vorderseite „Sail on“ und auf der Rückseite „The wind is free“. Hier war Sydney ein besonders interessanter, lustiger und auch geschäftstüchtiger Skipper auf seinem orangefarbenen Boot (siehe Bild). Teilweise nimmt das allerdings überhand, insbesondere, wenn Geld für Leistungen verlangt wird, die gar nicht erbracht wurden oder die man nicht will. Eine typische Begründung ist, dass der „Helfer“ mit seinem Boot ja zu uns rüber motort ist und damit Sprit verbraucht hat, wofür er eine finanzielle Entschädigung möchte. Unglaublich! In der Regel haben wir den Burschen aus Sicherheitsgründen auch was gegeben. Danach kam dann das „Welcome!“. Man weiß ja nie, ob sie in der Nacht sonst nicht mit unliebsamen Freunden wiederkommen. Es ist in der Vergangenheit ja schon mehrfach zu nächtlichen Überfällen gekommen…

Bild „Südroute“ : 1. Le Marin (Martinique), 2. Rodney Bay (Saint Lucia), 3. Soufriere Bay (Saint Lucia), 4. Bequia, 5. Mustique, 6. Petit Saint Vincent, 7. Clifton (Union Island), 8. Charlestown Bay (Canouan), 9. Hufeisenriff (Tobago Keys), 10. Bequia, 11. Kearton’s Bay (Saint Vincent), 12. Anse de Piton (Saint Lucia), 13. Les Anses-d’Arlet (Martinique), 14. Le Marin (Martinique)

Am nächsten Tag hieß es dann wieder früh Segel setzen, und wir machten uns auf die Rücktour. Dabei ging es meist etwas höher an den Wind, wehte der Passat doch in der Regel aus ONO. Das fanden wir nicht nur etwas sportlicher, sondern auch von den gefühlten Temperaturen frischer als auf den tiefen Kursen der Hintour. Da brannte die Sonne teilweise schon recht intensiv.

Auf dem Weg nach Saint Vincent herrschte wechselhaftes Wetter, und einmal gerieten wir in einen tropischen Squall mit über 40 Knoten Wind, den wir kommen sahen und so rechtzeitig einreffen konnten. Es folgte ein super Stopp in der Kearton’s Bay. Hier betreibt Rosi Morgan nicht nur den lokalen Trans-Ocean Stützpunkt, sondern auch das Rock Side Cafe, in dem sie zusammen mit Orlando leckere lokale Essen für ihre Gäste zubereitet. Gut war, dass wir uns einen Tag vorher angemeldet hatten und so alles vorbereitet war. Das Besondere ist, dass Rosi eine Deutsche ist, die seit 20 Jahren auf St. Vincent lebt und viel zu erzählen hat.

Über St. Lucia ging es dann zurück nach Martinique, und zwar in die Bucht von Les Anses-d’Arlet, die wir ja bereits in der ersten Woche mehrfach besucht hatten. Auch die Mitsegler waren von der Schönheit der Bucht und des Ortes angetan. Beim letzten Schlag zurück nach Le Marin war es eine volle Kreuz bei 6 Windstärken, die den Anfängern der Crew Einiges abverlangte.

@Frank, nur die Dosenravioli fehlten…

Gegen 15 Uhr waren wir alle wohlbehalten in der Marina von Le Marin fest.

Am nächsten Tag ging es abends zurück Richtung Heimat, und wir kamen bei strahlendem Sonnenschein nach Hause.

Was war rückblickend gut oder auch nicht so gut?

Gut:

  • Die Karibik ist ein tolles Revier in unserem grauen Winter.
  • Ankern in den Buchten und vor Traumstränden
  • Tropisches Wasser (27°C) mit großartiger Unterwasserfauna - super zum Schnorcheln und Tauchen
  • Konstanter Passatwind mit 4-6 Windstärken aus NO
  • Guter Skipper (aus Schleswig)
  • Geschmackvolles Essen (tropische Früchte) und leckere Cocktails/Sundowner
  • Die Backschaft funktionierte trotz der Anzahl von 8 Personen gut.

Nicht so gut:

  • Temperaturen um die 30°C, was mir teilweise zu warm war. Insbesondere nachts in der Koje war es echt heiß (jammern auf hohem Niveau).
  • Das Boot war mit 8 Personen überbelegt
  • Wir sind es gewohnt, zu zweit zu segeln. Hier war man 14 Tage 24 Stunden mit 6 anderen Mitseglern zusammen. Teilweise war die Gruppendynamik aufgrund des Sozialverhaltens Einzelner schwierig.
  • Sehr unterschiedliche Segelkenntnisse, teilweise absolute Anfänger
  • Es wurde etwas zu viel gekocht und gegessen.
  • Aufwendige Backschaft

Fazit: Es hat uns richtig viel Spaß gemacht, in einem solchen Revier bei Sonne, Wind und mit kurzen Klamotten zu segeln und ausgiebig zu schwimmen und zu schnorcheln.

 

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