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Kleines Boot auf großer Fahrt

Bericht eines Sommertörns: Das Club-Folke "Lotte" in den ostschwedischen Schären
von Dr. Gundula Miksch

Das Abenteuer beginnt.

Morgen soll es nun losgehen. Dies ist unsere letzte Nacht zu Hause, bevor wir mit der „Lotte“, unserem Vereins- Folkeboot, starten.

Den Entschluss, einmal einen längeren Sommertörn zu machen, fassten wir bereits im letzten Herbst.

Wie schön musste es sein, nicht jeden einzelnen Urlaubstag zu zählen, bei schlechtem Wetter oder widrigem Wind einfach warten zu können, bis die Bedingungen wieder günstig sind!

Dass wir diesen Törn mit der „Lotte“ machen wollen, stand auch schnell fest, nachdem wir sie im letzten Herbst bei schlechtestem Wetter erprobt hatten.

Als dann Jürgens Eltern noch anboten, die „Lotte“ und uns mit dem Trailer in Stockholm abzuholen, begannen wir die Planung.

Berufliche Termine mussten so gelegt werden, dass wir im Juli und August sieben Wochen Urlaub machen können. Die Haus- und Gartenpflege musste organisiert werden, die Ausrüstung beschafft und die Lotte für einen längeren Törn in den Schären  vorbereitet werden.

Haben wir wirklich an alles gedacht? Nichts vergessen?

Tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf.

Rasmus meint es gut mit uns.

Ich sitze am kleinen Tisch an Backbord, der Leeseite, und lausche dem Plätschern der Wellen am Rumpf. Die Sonne scheint, und wir segeln in Shorts entlang der südschwedischen Küste. Heute sind wir eine Woche unterwegs und hatten nur Sonnenschein und leichte achterliche Winde.

Wie einfach ist doch das Leben an Bord bei solchem Wetter!

Es hat sich ein gewisser Rhythmus eingestellt, und immer wieder stellen wir  fest, dass wir auf diesem kleinen Boot wirklich nichts vermissen.

Ganz im Gegenteil: Wir schlafen gut, kochen lecker, und vor allem: Wir haben viel Spaß beim Segeln. Was will man mehr?

Es geht langsamer voran.

Heute sind wir drei Wochen unterwegs. Halbzeit. Wir fühlen uns ganz weit weg… Wir liegen in Loftahammar nördlich von Västervik und haben einen Hafentag- unseren sechsten in den letzten 14 Tagen.

Wieder einmal bläst es stark aus Nord.

Jürgen hat die Lotte mit einer Wäscheleine bestückt, und nun passe ich auf, dass keins unserer frisch gewaschenen Wäschestücke davon fliegt.

Zwischen den Starkwindtagen gab es immer einige Tage mit günstigen Winden. Glücklicherweise haben wir diese auch genutzt, um weiter nordwärts zu kommen. Besonders schön waren die letzten zwei Tage in den Schären von Figeholm über Idö nach Loftahammar. Glattes Wasser und mit Rauschefahrt zwischen Inseln und Felsen und durch schmale Sunde! Wenn man nach achtern schaut, erkennt man nicht mehr, von wo man gekommen ist. Dazu das anhaltend schöne Wetter!

Wir werden von vielen schwedischen Seglern auf das schöne Folkeboot angesprochen. Viele sind früher auch Folkeboot gesegelt oder tun es noch immer. In Kalmar kamen wir mit einem Spaziergänger ins Gespräch, dessen Folkeboot 100 Kilometer nördlich in den Schären liegt. Am Wochenende wolle er auch segeln. Vielleicht treffe man sich ja…

Und tatsächlich: Vier Tage später begegnet uns ein Folkeboot, dessen Skipper winkt, ruft und Kurs auf uns hält. Unglaublich- es ist der Spaziergänger aus Kalmar. Selbstverständlich hat er die „Lotte“ schon von Weitem erkannt.  

Der erste Regentag

Heute sind wir vier Wochen unterwegs, und es regnet seit Stunden. Irgendwann musste dieser Tag  kommen!

Gestern Abend noch haben wir bei schönstem Sonnenschein mit Rainer und Roswitha Rehbehn, die mit ihrer „Old Monk“ unterwegs sind, in Trosa gegrillt.

Heute war dann zunächst Flaute, und allmählich setzte Regen ein.

Die 13 Seemeilen nach Ankerudden mussten wir motoren und waren froh, als die „Lotte“ gut vertäut am Steg lag, denn schließlich fing es auch noch heftig an zu wehen.

Den Nachmittag haben wir unter Deck mit Lesen und Schlafen verbracht und waren zum Essen abends in dem sehr netten Restaurant des Ortes.

Wie viel schöner sieht doch alles bei Sonnenschein aus!

In der letzten Woche waren wir bei bestem Wetter in einer traumhaften Ankerbucht, konnten von Bord aus Baden und hatten immer guten  Segelwind.

Besonders viel Spaß hat das Aufkreuzen in einem schmalen Sund gemacht, wo die meisten Segelboote unter Motor gefahren sind.

Richtig spannend wird es aber erst, wenn man das Fahrwasser verlässt. Dann muss man schon gut aufpassen, insbesondere ohne Plotter und Echolot.

 

Wir sind angekommen.

Heute sind wir fünf Wochen unterwegs. Wir liegen dicht an dicht mit anderen Booten vor Heckanker am Felsen.

Diese entspannte Atmosphäre in wunderschöner Natur gefällt uns besonders gut.

Und natürlich das Festmachen am Felsen! Anfangs war es etwas ungewohnt, doch wir haben festgestellt, dass die „Lotte“ mit ihrem schrägen Steven und dem geringen Tiefgang dafür sehr gut geeignet ist. Dank der Leihgabe eines hervorragenden handlichen Klappankers von Jens Jansen haben wir so viele unvergessliche Stunden verbracht.

Bereits seit fünf Tagen kreuzen wir durch den Stockholmer Schärengarten, und der Rhythmus an Bord hat sich komplett umgestellt: Wir machen nur kurze Etmale, meistens um die zehn Seemeilen, laufen schon mittags in die Ankerbucht, gehen baden und erkunden die Umgebung.

Da wir auf der „Lotte“ keine Elektrizität haben, gehen wir früh in die Koje. Sehr erholsam!

Wir haben unsere Traumbucht gefunden.

Heute geht es nach Saltsjöbaden, wo unser Törn nach sechs Wochen endet.

Letzte Nacht haben wir noch einmal an einer Schäre geankert und mit Freunden, die wir zuvor im Wasahafen in Stockholm getroffen hatten, gegrillt.

Gestern Nachmittag haben wir schon Saltsjöbaden passiert, als wir in strömendem Regen und bei frischem Wind ein Folkeboot sichteten, offenbar beim Regattatraining.

Es hielt schnurstraks auf uns zu, und nebeneinander segelnd ergab sich ein nettes Gespräch mit den schwedischen Folkebootseglern.

Sie wollen uns beim Hafenmeister zum Kranen anmelden.

Eigentlich möchten wir gar nicht an das Ende dieses wunderschönen Törns denken.

In der letzten Woche haben wir uns in den nördlichen Stockholmer Schären aufgehalten und schließlich noch unsere Traumbucht gefunden. Wir lagen dort ganz allein, als einziges Boot in der Bucht, gut geschützt am Felsen.

Lag es am regnerischen Wetter- schließlich kam abends noch die Sonne heraus, an der schwierigen Ansteuerung oder an der geringen Tiefe der Bucht? Wir werden es nie erfahren.

 

Zurück in Schilksee

Wir stehen auf der Dampferbrücke und sehen die Lotte davon segeln. Ein eigenartiges Gefühl, war doch dieses kleine Boot in den vergangenen sechseinhalb Wochen unser Zuhause! Vorgestern wurde sie in Saltsjöbaden gekrant,gestern mit dem Trailer nach Göteborg gefahren, heute Morgen von der Fähre direkt nach Schilksee, ins Wasser gesetzt und aufgeriggt.

Wir hatten kaum unsere Sachen von Bord geräumt, da legten Rainer und Lena Rehbehn auch schon ab, um noch rechtzeitig zum Schleigrillen zu kommen.

Zurück bleiben unsere Erinnerungen an einen ganz besonderen Törn und die vielen schönen Erlebnisse mit der „Lotte“.

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